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Szene tritt für Menschenrechte ein – Profifußball moralisch fragwürdig

Tue, 18 Aug 2020 12:40:00 GMT

Eine Welle der Entrüstung ließ in der eSport-Szene kürzlich zwei große Deals mit einem staatlichen saudi-arabischen Sponsor platzen. Die zahlreichen Kritiker hoben die andauernde Missachtungen der Menschenrechte, das autokratisch geführte politische System und die Unterdrückungen von Minderheiten als Hauptgründe für ihre Boykott-Androhungen hervor. Im Profifußball hingegen sind Sponsoren-Verträge und sogar Inhaberschaften dieser Art Gang und Gäbe.

Als die LEC, Europas große League of Legends-Liga, über den eingefädelten Sponsoring-Deal mit Neom informierte, befand man sich gleichzeitig in einer selbst ins Leben gerufenen Pride Week. Dass der neue Vertragspartner – im Grunde genommen der saudi-arabische Staat – Homosexualität als Straftat wertet und laut Amnesty International institutionelle Unterdrückung von Frauen und Mädchen, willkürliche Festnamen und Inhaftierungen oder beispielsweise Folter und andere Misshandlungen initiiert oder zumindest duldet, stieß zahlreichen Mitgliedern der Szene sauer auf. Der Druck auf die Verantwortlichen wuchs, woraufhin die Partnerschaft nach nicht einmal 24 Stunden wieder aufgekündigt wurde.

Dem Counterstrike-Turnierveranstalter BLAST erging es ähnlich. Auch die dänische Organisation ging einen Sponsoring-Deal mit Neom ein und wieder hagelte es Kritik und Boykott-Ankündigungen. Gut zwei Wochen nach Vertragsabschluss platze auch die zweite eSport-Zusammenarbeit mit dem umstrittenen saudi-arabischen Projekt.

Saudi-Arabien wird im Rahmen des Freedom in the World 2020-Index der Nicht-Regierungsorganisation Freedom House als not free klassifiziert. Problematisch wird unter anderem das autokratische Staatssystem und die stark eingeschränkte Meinungs- sowie Pressefreiheit gesehen. Neben Saudi-Arabien werden die Nachbarstaaten Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate – zu denen unter anderem Abu Dhabi und Dubai zählen – ebenfalls als not free bezeichnet. Auch in diesen Staaten kritisiert Amnesty International die Nicht-Einhaltung zahlreicher Menschenrechte äußerst scharf.

Das Trikot von Real Madrid wird auch in der kommenden Saison wieder das Logo von der aus Dubai – einem Teil der Vereinigten Arabischen Emiraten – stammenden staatlichen Fluggesellschaft Emirates zieren. Neben den Spaniern gingen auch der AC Mailand, der FC Arsenal oder beispielsweise Benfica Lissabon einen umfangreichen Sponsoring-Deal mit Emirates ein. Darüber hinaus darf sich die staatliche Fluggesellschaft von Katar (Qatar Airways), also einem weiteren Land, in welchem Verstöße gegen die Menschenrechte an der Tagesordnung stehen, als offizieller Sponsor der FIFA WM 2022 und des englischen FA Cups bezeichnen.

Nicht nur im europäischen Ausland stellen Geschäfte dieser Art längst keine Ausnahme mehr dar. Der deutsche Branchen-Primus Bayern München unterhält seit gut zehn Jahren fortlaufende Deals mit Partnern aus Katar, welche dem Emirat und damit den unmittelbaren Machthabern und Verantwortlichen für die katastrophale Lage der Menschenrechte vor Ort zugeordnet werden können. Stichworte: Wintertrainingslager in Katar oder Ärmelschriftzug Qatar Airways.

Neben Sponsoren-Verträgen existieren im Profifußball Inhaberschaften von staatlichen Machthabern, welche laut Berichten von Amnesty International und Co. für Missachtungen von Menschenrechten verantwortlich sind. Paris St. Germain befindet sich zu einhundert Prozent in Besitz der Qatar Sports Investments-Gruppe, welche dem Staat Katar entspringt. Manchester City befindet sich in der Hand der City Football Group, welche zu einem Großteil von der Abu Dhabi United Group besessen wird. Diese ist Eigentum von Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan, einem Mitglied der Königsfamilie in Abu Dhabi und gleichzeitigem Regierungsmitglied der Vereinigten Arabischen Emirate. Sheffield United, gehalten von der Blades Leisure Ltd, befindet sich bei genauerem Hinschauen in Besitz des saudi-arabischen Prinzen Abdullah bin Mosa'ad bin Abdulaziz Al Sa'ud.

Auch im eSport existieren bereits Sponsoring-Verträge mit staatlich geführten Unternehmen aus Ländern, in welchen die Lage der Menschenrechte von vielen Nicht-Regierungsorganisationen als sehr kritisch angesehen wird. So kassiert die FIFA in Kooperation mit EA Sports im Rahmen des FIFA eWorld Cup beispielsweise Geld von Qatar Airways. Ob und wie lange unmoralische Partnerschaften dieser Art im eSport eine absolute Ausnahme bleiben können, wird die Zukunft zeigen.

Nicolas Schmidt - Chefredakteur

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