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Gigantischer Betrug in FIFA? EA mehrfach verklagt

Tue, 22 Dec 2020 17:20:00 GMT

EA sieht sich aktuell mit gleich drei Gerichtsverfahren konfrontiert. Die Vorwürfe der Ankläger beziehen sich auf eine Art Teufelskreis, welchen der Spieleentwickler angeblich seit Jahren konsequent generiert: Vorprogrammierte Szenen sollen dafür sorgen, dass Spieler unabhängig vom Level der eigenen Fähigkeiten Partien in beispielsweise FIFA 21 verlieren. Dies sorgt bei zahlreichen Gamern für den Eindruck, über ein zu schwaches Ultimate Team zu verfügen und motiviert besagte Spieler dazu, mehr und mehr echtes Geld in ihre Mannschaft zu investieren.

Nach Meinung der Kläger wird diese Methode seit vielen Jahren angewendet, obgleich EA sämtliche Vorwürfe konsequent bestreitet. Die erste Klage flatterte dem US-Unternehmen im August 2020 in Haus, als ein kalifornischer Anwalt eine Sammelklage von über 100 Beteiligten einreichte. Im Oktober folgte eine weite Klage aus Kanada, einen Monat später schlossen sich erneut US-Gamer zusammen, um gegen Electronic Arts vor Gericht zu ziehen.

In allen drei Verfahren geht es um Glücksspiel in Kombination mit gescripteten Szenen, welche beispielsweise zu Gegentoren oder vergebenen Großchancen in FIFA 21 führen, obwohl der Spieler am Gamepad keinen Fehler begangen hat. In Belgien und den Niederlanden führte alleine die Tatsache, dass im FIFA Ultimate Team-Modus für echtes Geld verfügbare Lootboxen existierten, zu einer Einstufung als Glücksspiel und einem Bann besagter virtueller Karten-Packs.

Inhaltlich stehen vor allem EAs Sportsimulationen im Fokus. Denn in Spielen wie FIFA oder Madden stellen Gamer im derzeit beliebtesten Modus ihre eigene Mannschaft, ein Ultimate Team, zusammen, um sich online mit anderen zu messen. Die Teammitglieder entstammen Lootboxen, welche mit echtem Geld gekauft werden können. Niemand ist dazu gezwungen, in sein Ultimate Team zu investieren, doch wer auf die Pay-to-Win-Variante verzichtet, schmälert seine Siegchancen erheblich.

Selbst wenn Geld investiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit, sein Ultimate Team in FIFA 21 mit Cristiano Ronaldo zu verstärken, zunächst eher gering. Denn besagte Lootboxen enthalten zufällige Inhalte, weshalb das Ziehen der stärksten Karten im Spiel unwahrscheinlich ist. Im Grunde genommen unterscheidet sich das Öffnen eines Karten-Packs in FIFA oder Madden laut den Richtern in Belgien und den Niederlanden rein emotional dementsprechend nicht nennenswert vom Umgang mit einem Rubbel-Los im Kiosk um die Ecke.

Die nordamerikanischen Kläger gehen allerdings noch ein ganzes Stück weiter. Der Vorwurf lautet: EA setzt Dynamic Difficulty Adjustment (DDA) ein. Besagte Methode stärkt schwächere Spieler und verpasst starken Gamern eine Art Handicap. Während Angleichungen dieser Art in Nintendos berühmter Mario Kart-Serie beispielsweise transparent dadurch vorgenommen werden, dass auf den hinteren Rängen platzierte Spieler starke Items wie rote Panzer erhalten, um die vorderen Plätze zielsuchend abzuschießen, geschieht EAs Ausbalancierung den Klägern nach im Verborgenen.

Der Spieleentwickler bestritt bislang stets, DDA einzusetzen. Angeblich aus gutem Grund: Den Vermutungen der verärgerten Gamer nach generiert EA durch den Einsatz dieser Methode bei guten Spielern mit einer starken Mannschaft dennoch den Eindruck, sich nennenswert verbessern zu müssen, weil plötzlich massig Gegentore einschlagen oder Torchancen nicht mehr verwertet werden. Bei FIFA (oder beispielsweise Madden) Ultimate Team folgt dann häufig die Schlussfolgerung, in neue – noch bessere und damit seltenere – virtuelle Sportler investieren zu müssen.

Doch warum sollte EA das Risiko eingehen, einen potentiellen Betrug zu verschweigen? Dem Inhalt der dritten Klage aus dem November nach, weil sich besagte Masche finanziell irrsinnig lohnt. So schossen eSportler auf höchstem Niveau laut Befragungen der Kläger beispielsweise fünfstellige Beträge in ihr FIFA 19 Ultimate Team, um auf professionellem Level Erfolge einzufahren.

Die Tatsache, dass EA gleich mehrere Patente bezüglich verschiedener DDAs hält, stellt den Klägern nach ein weiteres Indiz für die Existenz von einprogrammiertem Momentum dar. Der Spieleentwickler verschwieg diesen Umstand über mehrere Jahre, musste 2019 nach einem Leak allerdings zugeben, über besagte Patente zu verfügen. Vor gut zwei Jahren bestritt EA jedoch im selben Atemzug, DDA in FIFA einzusetzen.

Da die drei Gerichtsverfahren aktuell noch laufen, kann über deren Ausgang sowie den Wahrheitsgehalt der Klagen bislang nur spekuliert werden. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass EA besagtes System aus Glücksspiel und undurchsichtigen Spielmechaniken noch teuer zu stehen kommt, scheint jedoch zweifelsfrei vorzuliegen.

Nicolas Schmidt - Chefredakteur

Weitere Informationen zu FIFA.

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