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Rekkles: Die schwedische League of Legends-Urgewalt

Mon, 23 Mar 2020 14:30:00 GMT

Ein Publikumsliebling, der bereits für Fnatic spielte, bevor die EU LCS gegründet wurde. Kapitän, Titelsammler, Starspieler: Rekkles stellt die Konstante der europäischen League of Legends-Szene dar. Und alles begann mit einem zerplatzten Traum.

Bereits als junger Teenager strebte Martin Larsson eine Karriere als Profi an – allerdings nicht im Bereich des eSport, sonder klassisch als Fußballer. Der im Jahr 1996 geborene Schwede hatte das Zeug, es bis nach ganz oben zu schaffen, bis ihm eine Knieverletzung einen Strich durch die Rechnung machte.

Während seiner langen Verletzungspause entdeckte der damals 14-jährige League of Legends für sich und es stellte sich schnell heraus, dass neben dem fußballerischen Talent auch eine große Portion jener Fähigkeiten vorhanden war, die es braucht, um sich im eSport mit den Besten der Besten messen zu können.

Nachdem Rekkles auf kleineren Turnieren mit verschiedenen Teams überzeugen konnte, wurde Fnatic im Jahr 2012 auf den 16-jährigen aufmerksam. Der Schwede stand plötzlich in der Startformation und durfte sich mit der Weltspitze messen. Dass 2013 die EU LCS gegründet wurde, bedeutete allerdings einen Rückschlag für den damals jüngsten Spieler im LoL-Pro-Zirkus. Denn Rekkles war den Regularien nach schlicht zu jung, um antreten zu dürfen.

Deshalb wechselte der Bot Laner auf Leihbasis zu den Copenhagen Wolves, um an der Seite anderer Talente Erfahrung und Spielpraxis zu sammeln. Das junge Team dominierte die Challanger-Szene, weshalb Rekkles Anfang 2014 nach Ablauf der Leihe direkt wieder seinen alten Stammplatz bei Fnatic einnahm.

Die Erfolgsgeschichte nahm zunächst seinen Lauf: Der Schwede fuhr mit seinem Team direkt in der EU LCS-Debütsaison den Titel ein und wurde zum Playoffs-MVP gekührt. Im Anschluss ging es allerdings bergab. Fnatic unterlag Alliance im Finale des Summer Split 2014 und gab auch bei den darauf folgenden Worlds kein allzu gutes Bild ab. Und als plötzlich das Team begann, zu zerfallen, nahm auch Rekkles den Notausgang und wechselte zu Ligakonkurrent Alliance (später umbenannt in Elements).

Während die Rechnung mit seinem neuen Team überhaupt nicht aufging – Elements enttäuschte sportlich auf ganzer Linie und hatte immer wieder mit Abgängen wichtiger Spieler zu kämpfen – präsentierte sich Fnatic auch mit neuem Personal in alter Stärke. Dem ehemaligen Arbeitgeber entging natürlich nicht, dass einer der besten Spieler des Kontinents unglücklich mit seiner Situation war: Als Fnatic dem Schweden im Frühsommer 2015 anbot, diesen wieder ins Boot zu holen, sagte Rekkles nach eigenen Angaben augenblicklich zu. Es sollte sein bislang letzter Teamwechsel bleiben.

Der AD Carry überzeugte fortan mit starken Leistungen und spektakulärem Spielstil. Den folgenden Summer Split beendete Fnatic mit einer Bilanz von 18-0 und zog im Rahmen der Worlds 2015 ins Halbfinale ein. Wie im Jahr zuvor musste das Team im Anschluss allerdings personelle Veränderungen verkraften: Gleich drei Stammspieler wechselten nach Nordamerika, und besonders der Abgang von YellOwStaR rückte Rekkles endgültig in die Rolle des Leaders.

Der neue Kader präsentiert sich nicht im Ansatz so stark wie erhofft. Parallel stieg in Europa mit G2 Esports eine neue Macht empor, der Fnatic zunächst nichts mehr entgegen setzen konnte. 2016 erreichte man weder ein Finale in der EU LCS, noch konnte man sich für die Worlds qualifizieren – der sportliche Tiefpunkt in der langen Beziehung von Rekkles und Fnatic war erreicht. Als zum Jahresausklang das gesamte Stammpersonal bis auf den Schweden das Weite suchte, sah es für viele Fans danach aus, als sei die Ära Fnatic vorüber.

Glücklicher Weise trug eine der talentierten Neuverpflichtungen den Namen Caps und schlug ein wie eine Bombe. Die neue zusammen gestellte Mannschaft setzte mehr als nur Achtungserfolge: Im Spring Split 2017 war erst im Halbfinale gegen Meister G2 Endstation und auch im Sommer gelang der Einzug in die Vorschlussrunde der EU LCS. Viel wichtiger war, dass trotzdem die Qualifikation für die Worlds glückte.

Zwar musste Fnatic zu Beginn der Gruppenphase gleich vier Niederlagen am Stück hinnehmen und schien dadurch bereits sicher ausgeschieden zu sein, doch da die Konkurrenz im Anschluss passend gegeneinander spielte und Rekkles, Caps und Co. urplötzlich aufblühten, schaffte man wie durch ein Wunder doch noch den Einzug ins Viertelfinale. Später wurde deutlich, dass dies ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte von Fnatic und Rekkles darstellen sollte.

Zwar schied man in Anschluss gegen Chinas damaliges Vorzeigeteam Royal Never Give Up um Superstar Uzi aus, doch der Glaube daran, alles und jeden besiegen zu können, war geboren. Darüber hinaus vollzog Rekkles endlich den Schritt zum Anführer, zum Kapitän, an dem sich das Team in so gut wie jeder Situation hochziehen kann.

2018 verlief schließlich geradezu märchenhaft. Fnatic gewann beide europäischen Titel, zog als Gruppensieger in die Playoffs der Worlds ein und rollte im Halbfinale wie eine Naturgewalt über Cloud9. Erst im Finale zeigte Invictus Gaming den Europäern die Grenze auf, doch allein der Einzug in die in den Vorjahren stets von Koreanern dominierte Schlussrunde war ein riesiger Erfolg. Ein Erfolg, von dem Rekkles gemeinsam mit Caps den wohl größten Anteil verbuchen durfte.

Mit dem Abgang des Dänen verschob sich das Gleichgewicht der Macht wieder in die Richtung von G2. 2019 richteten die meisten europäischen Fans ihren Fokus auf das neue Team von Caps, während Rekkles und seine Teamkollegen nur die zweite Geige spielten. Sportlich verlief das Jahr keineswegs völlig enttäuschend, stand doch beispielsweise der Viertelfinaleinzug bei den Worlds zu Buche.

Derzeit zeichnet sich erneut ein spannender Kampf von Fnatic gegen G2 Esports um die Krone Europas ab. Im Gegensatz zu noch vor einigen Jahren findet diese Auseinandersetzung allerdings auf höchsten Niveau statt – selbst wenn Maßstäbe der internationalen Konkurrenz aus China oder Korea angelegt werden. Und Rekkles verkörpert wie kaum ein zweiter den Aufstieg der europäischen League of Legends-Szene.

Nicolas Schmidt - Chefredakteur

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